
Weingartener Moor
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Als Kinzig- Murg- Rinne wird das ehemalige Tal eines nachzeiteislichen Flusses, des Ostrheins, bezeichnet. Dieser nahm einst alle heutigen Nebenflüsse des Rheins von der Kinzig im Süden bis zur Kraich im Norden in sich auf. Erst später flossen diese Gewässer einzeln in den weiter westlich gelegenen Rhein. Daraufhin versumpfte und vermoorte die Altaue. Aus den Pflanzenbeständen der Sümpfe und Moore entwickelten sich mächtige Torfe, die im Weingartener Moor und im Bruchwald erhalten sind. Heute wachsen hier extrem selten gewordene Pflanzen. Darüber hinaus verleihen die Torfe dem Gebiet eine hohe Bedeutung bei der Erforschung der Vegetations- und und Landschaftsgeschichte. Durch im Torf konservierte Blütenpollen läßt sich die Abfolge verschiedener Pflanzengesellschaften im Laufe der Erdgeschichte nachvollziehen. Bis kurz nach dem ersten Weltkrieg wurde im Mittelteil des Moores Torf gestochen, wodurch die offenen Wasserflächen erhalten geblieben sind. Der Torfabbau wurde jedoch bald wieder aufgegeben, da das gewonnene Material einen zu niedrigen Brennwert hatte. In den Torfstichen setzte die Verlandung erneut ein und ist bis heute in vollem Gange. So ist hier eine sehr gut ausgebildete Wasser- und Verlandungsvegetation zu finden, die in ihrem Artenreichtum in Südwestdeutschland einmalig ist.
Die für die Kinzig- Murg- Niederung charakteristischen offenen Wasserflächen, Röhrichte, Großseggenriede und Bruchwälder bedingen das Vorkommen einer Artenreichen Tierwelt. Besonders vielfältig ist die Vogelwelt des Schutzgebietes. Für 14 einheimische Amphibienarten ist das Weingartener Moor ein bedeutender Laichplatz von europäischem Rang. Daneben finden hier zahlreiche an Gewässer gebundene Tiere wie beispielsweise Libellen- und Fischarten Lebensräume. Leider sind solche Feucht- und Naßbiotope im Karlsruher Raum bereits sehr selten geworden. Menschliche Eingriffe wie Entwässerungsmaßnahmen machten innerhalb der Kinzig- Murg- Rinne auf weiten Flächen landwirtschaftliche Nutzung möglich und führten zum weitgehenden Verschwinden der sumpfigen und moorigen Standorte. Um so bedeutungsvoller ist die Sicherung der letzten noch erhaltenen naturnahen Restflächen. Heute stellen Weingartener Moor und Bruchwald; Grötzingen eines der bekanntesten Naturschutzgebiete in der Umgebung von Karlsruhe dar. Der gemeinsame Schutz von Moor und Bruchwald verfolgt das Ziel, die gesamte Spannweite der vom Wasser geprägten Lebensgemeinschaften zu erhalten. Der nördliche Teil der Kiesgrube wurde in das Schutzgebiet einbezogen, um auch die wiederbesiedlung durch charakteristische Lebensformen der Offenwasserflächgen zu fördern.
Bei den Wasserflächen, Röhrichte und Rieden im Weingartener Moor handelt es sich um Lebensräume, die durch den Menschen stark beeinflusst werden. Sie befinden sich natürlicherweise in einem Verlandungsprozess, an dessen Ende die Waldentwicklung steht. Um ihre derzeitige Vielfalt zu sichern und den Verlandungsprozess ständig aufrecht zu erhalten, sind immer wieder Pflegeeingriffe notwendig. Aus diesem Grund wurden im September 1989 im Westen des Moores neue Wasserflächen geschaffen, um die bereits weit fortgeschrittene Verlandung im zentralen Moorbereich auszugleichen. Die Arbeiten erfolgten sehr behutsam mit Hilfe eines kleinen Saugbaggers, so daß heute nur noch wenig Spuren dieses Pflegeeingriffes festzustellen sind. Auch im Bereich des ehemaligen Torfstiches wird immer wieder das Ausbaggern von nährstoffreichem Faulschlamm erforderlich sein, da dieser zu einer starken Sauerstoffzehrung in den Gewässern führt. Zusätzlich muß die Wasserqualität des derzeit stark verschmutzten Werrenhäuslesgrabens verbessert werden, da er mit den offenen Wasserflächen des Moores in direkter Verbindung steht.